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Im Sommer 2014 bin ich von Ljubljana nach Nizza gewandert, eine Alpenlängswanderung von Ost nach West, durch 8 Länder…

( → Info English)

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Warum?

Die gesamten Alpen zu erkunden war seit langem ein Traum von mir. Drei Monate mit Zelt unterwegs zu sein und etliche politische Grenzen sowie ganze Gebirge zu überschreiten, war Genuss und Herausforderung zugleich. Das Projekt war eine Herzensangelegenheit.

Aber es hatte auch einen politischen Hintergrund. Ich möchte auf Diskriminierung gegen und Gefahren für transnationale MigrantInnen in Europa, sowie diejenigen die nach Europa wollen, aufmerksam machen. In diesem Zusammenhang spendete ich die Hälfte des Preisgeldes, das ich für den Deutschen Studienpreis 2013 erhalten habe, an Organisationen, die für eine Verbesserung der Umstände von Flüchtlingen/refugees und (Im)MigrantInnen in Europa einsetzen.

 

Wirklich, warum?

Hier kein langer Aufsatz, kein Manifest, nur eine kurze Erklärung. Man nehme zwei banale Zahlen: Das BIP pro Kopf in der Europäischen Union ist etwa $33.000; der Wohlstand, über den jeder Mensch dort pro Jahr verfügen könnte, wäre er gleich verteilt. Zum Vergleich Afrika: $2.320. Zwischen den beiden Kontinenten liegt nur das Mittelmeer. Jedes Jahr verurteilen die Regierungen Europas hunderte wenn nicht tausende Menschen effektiv zum Tode durch die Mittel, die sie einsetzen, um sie aus der “Festung Europa” herauszuhalten. Möglicherweise noch zynischer ist, dass viele, die es nach Europa schaffen, dennoch an vermeidbaren Ursachen sterben müssen, weil der Zugang zu Gesundheitsversorgung versperrt ist. Natürlich ist Europa kein Paradies. Aber sicher verdient jede/r, der das Risiko, die Zeit, und oft auch die Verschuldung, auf sich nimmt, etwas Besseres als den Tod in Europa oder an seinen Grenzen? Wem kann verübelt werden, die eigene Familie ernähren, der Tyrannei, Diskriminierung oder Hunger entfliehen, oder einfach nur ein besseres Leben finden zu wollen? Diesen grundlegend menschlichen Bedürfnissen stehen leider Europas gesammelte Nationalismen gegenüber.

Egal wie hoch Europa seine Zäune baut, die “Anderen” versuchen es immer noch. Europas einziger Erfolg bisher war, die Zahl der Todesopfer zu erhöhen. Natürlich geht es nicht nur um Afrika; viele OsteuropäerInnen, AsiatInnen und AmerikanerInnen haben jede Menge gute Gründe in Europa leben, arbeiten, vielleicht sich niederlassen zu wollen; oder auch wieder zu gehen, wenn es ihnen danach steht. So wie wir das für uns auch anderswo beanspruchen würden. Die UNO-Menschenrechtserklärung (Art. 13&14) sagt es klar: “Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.” Doch Europa und seine Staaten nehmen ihnen diese Rechte und Freiheit: Wenige Menschen sind willkommen, manche werden vorübergehend geduldet und festgehalten, viele werden für illegal erklärt. Wenn sie es nach Europa schaffen, landen sie oft in Gefangenenlagern, müssen Jahre der Ungewissheit und Langeweile durchstehen, in Armut leben, und werden dann doch wieder herausgeworfen. Die Illegalisierung der Menschen durch das Grenzregime zwingt sie zu ausbeuterisch bezahlter Lohnarbeit bei gleichzeitigem Ausschluss von sozialer Absicherung. Dies alles vertritt wohl nicht gerade die hochgelobten “Christliche Werte” oder “europäische Werte”.

Der Kontinent braucht ein radikal verändertes Migrationsregime. Dies scheint aber leider nicht in naher Zukunft zu kommen. Wegen der stets strengeren Kriterien und immer höheren Hürden sind die Zahl der Asylanträge in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen – trotz syrischem Bürgerkrieg. Und die Zahl der faschistischen Angriffe auf Immigranten häuft sich vielerorts. Ich möchte nicht in einem Europa wie diesen leben, dessen privater Reichtum mit Leichensäcken, Stacheldraht, Brutalität und Lagern gehütet wird. Um zu versuchen zu helfen, aus Solidarität und Mit-Leidenschaft, spendete ich:

  • €5.000 an die Medinetz/Medibüro-Bewegung, um den Zugang zu Gesundheitsversorgung (u.a. bei Entbindungen) für Illegalisierte in Deutschland zu unterstützen;
  • €5.000 an die Stiftung Pro Asyl, um ihren Kampf für ein vernünftiges Aslyrecht zu unterstützen;
  • €5.000 an Medico International (eine emanzipatorische Nichtregierungsorganisation), um deren Projekte zur Hilfe der aus Europa Abgeschobenen zu unterstützen.

Ich hoffe, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und weitere Unterstützung für diese Organisationen herbeizuführen. Vor allem möchte ich ein Zeichen der Solidarität setzen mit den vielfältigen Protesten und Initiativen der refugees selbst, die in jüngerer Zeit an vielen Orten aufgekeimt sind. Nicht zuletzt aufgrund meiner Forschung zu Problemen der “Entwicklung” glaube ich zwar nicht an Spenden als guten Weg, um Probleme zu lösen (besser wären unveräußerliche Rechte, die durch emanzipatorische demokratische Prozesse gesichert sind), aber wer dennoch helfen will, tut aber wohl gut daran, “vor der eigenen Haustür” anzusetzen. Ich möchte den Nutzen selber prüfen können. Anstelle mich woanders auf der Welt einzumischen, würde ich lieber die Probleme angehen, die direkt durch die Institutionen und Politiker ausgelöst werden, die vorgeben mich zu repräsentieren.

(Für mehr und besser ausgedrückte Argumente für offene Grenzen, siehe hier.)

 

Wo geht’s lang?

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Die Route (für eine interaktive Karte einfach klicken)

Ich wanderte von der Haupstadt Sloweniens (Ljubljana) am Südost-Ende der Alpen bis nach Nizza am Südwest-Ende. Ich ging zuerst nordwestlich nach Deutschland und, dann wieder nach Süden, um alle 8 Länder, die sich die Alpen aufteilen, zu besuchen: Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Monaco, Österreich, die Schweiz und Slowenien. Es gibt hierfür keine reguläre, geplante Route, sondern ich musste den Weg über und um die Berge und Schneefelder, durch Täler und Wälder, über Hochebenen und Flüsse, auf vielen verschiedenen Wegen und Pfaden selber suchen. Auf der Reise habe ich viele europäische Grenzen überquert (mein Geburtsglück hat mir dieses Recht gegeben) und Weg viele interessante Menschen getroffen. Am Ende waren es fast 1.600 km und 76.000 Höhenmeter

(siehe Zusammenfassung der Route hier)

 

Wie?

Ich war zu Fuß (alleine) mit Rucksack und Zelt unterwegs, von Mitte Juni bis September. Währenddessen habe ich auf dem Blog gepostedt und die Route per GPS aufgezeichnet. Für war wird es eine spannende, herausfordernde aber auch schöne Erfahrung, mit wenigen Sachen so weit zu reisen. Im Gegensatz zu illegalisierten MigrantInnen hatte ich jedoch das Privileg jederzeit aufhören zu können, oder es nicht zu schaffen, und einfach mit meinem Leben weiterzumachen.

 

Wer?

smallIch (Philip Mader) bin 30 Jahre, Universitätslehrer und promovierter Soziologe. Ich komme aus New York (USA), lebe in Offenbach (D) und arbeite in Basel (CH)… somit also transnationaler Migrant (1. Klasse) und leidenschaftlicher Berg-Freund. (mehr Infos hier)

 

Unterstützen

Bitte, unterstützt dieses Projekt, indem Ihr es verbreitet! Einfach mal eine Mail an die Freunde. Oder im sozialen Netzwerk posten.

Noch wichtiger: Bitte unterstützt (wenn Ihr könnt) die Organisationen, die versuchen das System Stück für Stück zu verändern. Wer vor hat, eine Spende zu machen, kann dies gerne auch unten (per Kommentar) kund tun. DANKE SEHR.

Die drei Organisationen sind folgendermaßen zu erreichen:

♥ Medibüros

http://medibueros.m-bient.com

Medibüros gibt es an verschiedenen Orten in Deutschland. Wer sie unterstützen will, sucht sich am besten selber eines oder mehrere aus.

♥ Pro Asyl

http://www.proasyl.de

Postfach 16 06 24
D-60069 Frankfurt/M.
e-mail: proasyl(at)proasyl.de
Tel.: +49 (0)69 – 24 23 14 20
IBAN: DE62 3702 0500 0008 0473 00
BIC: BFSWDE33XXX

♥ Medico International

http://www.medico.de

Burgstr. 106
D-60389 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 – 94438-0
e-mail: info@medico.de
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00
BIC/SWIFT: HELADEF1822

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15 thoughts on “

  1. Helmut Mader says:

    28. Juni 1984 > 28. Juni 2014 = 30 gute Jahre!
    Am Telefon leider kein Durchkommen. Deshalb zunächst auf diesem Weg:
    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM GEBURTSTAG
    Möge es ein schöner Tag für Dich sein. Ich denke sehr an Dich.
    Dein Papa

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  2. Annina says:

    Hi Phil,

    Happy Birthday! Wünsche dir insbesondere heute tolles Wetter und fitte Füße :-).

    Liebe Grüße,
    Annina

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  3. rainer leschik says:

    hier schreibt rainer, der dir auch noch nachträglich die besten wünsche und gesundheit für dein weiteres leben wünscht. bleib schön gesund und pass gut auf dich auf.
    liebe grüße rainer und carola

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    • rainer says:

      hier ist mal wieder rainer.
      du hast ja eine traumhafte wanderung hinter dir. für den letzten kleinen gipfel -zipfel noch gutes wetter und wanderfreude.
      liebe grüße von rainer und carola

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  4. Alex Lauber says:

    Tolle Sache! Ich wünsche dir viel Erfolg und eine spannende Reise!

    Alex

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  5. connie says:

    Hallo Philip,

    hab gerade bei ProAsyl von deinem Projekt gelesen und wollte danke sagen! Eine super Sache und beeindruckend! Ich hoffe viele lesen deine Berichte und werden sich bewusst dass Menschen leider nicht gleich sind und manche eben Hilfe benötigen während anderen alleine durch den Ort an dem sie “unverschuldet” geboren wurden die ganze Welt offen steht.
    Ich wünsche dir großartige Aussichten!
    connie

    P.S. und nachträglich alles Gute zum Geburtstag :)

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  6. Mayeul de Larminat says:

    Ich fröhe mich deine sehr schöne Photos und die kleinen Geschichten zu lesen :)
    Ich höffe, dass das Wetter immer wärmer und sonniger wird.
    Du erzahlst uns allen deinen Abendteurern mit viel mehr Details in Offenbach, wir warten ungeduldig darauf!
    Viele liebe Grüsse Phil.

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    • philmader says:

      Danke Mayeul! Falls Ihr die Geduld dazu habt, kann ich nach meiner Rückkehr tatsächlich viel mehr noch erzählen! :)

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  7. jürgen says:

    Hallo Phil,
    ich bin erst heute auf deinen nobordertrek gestoßen. Ein tolles Projekt, das ich verfolgen werde. Dir einen guten Verlauf. Meine Bergtoru wird im August im Samnaungebiet beim Kölner Haus verlaufen.
    Jürgen

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  8. Ulrike Eichenlaub says:

    Hallo Phil!

    Nun bin ich schon fast wieder eine Woche zurück zu Hause in Landau in der Pfalz, aber ich zehre sehr von den 4 Tagen, die ich durch die Alpen gewandert bin. Wir haben uns auf der Pfälzer Hütte getroffen!
    Deine Idee, mit Deinem langen Weg auf die unzähligen Flüchtlinge auf dem Weg nach und in Europa aufmerksam zu machen ist wirklich beeindruckend. Gestern habe ich mit einer Freundin, die aus Russland stammt und in Landau als Integrationsbeauftragte arbeitet, Deinen blog und die website studiert.
    Ich beneide Dich sehr um die Zeit, die Du in den Bergen verbringen kannst. Nächstes Jahr möchte ich mir mehr Zeit nehmen und dann hoffentlich mit Freund oder Freundin auch etwas herausforderndere Wege wagen.
    Den Schesaplana Gipfel habe ich dieses Mal nicht gesehen, aber die Hütte war sehr gemütlich und die Wirtsläute haben besonders gut gekocht!

    Weiterhin eine erlebnisreiche Zeit in den Alpen wünscht Dir

    Ulrike

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    • philmader says:

      Hallo Ulrike! Es war toll, sich in Liechtenstein kennenzulernen und so ausführlich zu sprechen. Ich freue mich, dass deine Wanderung noch gut war, ob mit oder ohne Gipfel; ich weiß ja noch wie wir darüber beratschlagt haben. Weiter so, und danke für den Gruß! Phil

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  9. Andy Ott says:

    Hallo Phil
    Wir haben uns auf der Cadlimo-Hütte getroffen. In der Zwischenzeit bin ich auch wieder zu Hause und habe mich mit Hilfe deiner Visitenkarte auf die Suche nach dir gemacht. Du bist ja schon ganz schön weit gekommen, freut mich sehr für dich. Ich wünsche dir einen tollen
    Endspurt und noch viele beglückende Erlebnisse in den Bergen

    Cadlimo Hüttengehilfe Andy

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    • philmader says:

      Ciao Andy! Schön, von dir zu hören. Ich habe die Cadlimohütte in bester Erinnerung und will einmal wiederkommen. Hoffentlich bist du dann auch da und wir sehen uns wieder. Wünsche dir auch einen schönen Sommer, Phil

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