Tag 54 / Vallon de Meyes-Refuge du Carro

Mittwoch auf Donnerstag war eine kalte Nacht. Dass es für ein paar Tage kühler werden würde, wusste ich, aber mit Minusgraden hatte ich doch nicht gerechnet. Wohl etwas naiv, wie ich zugeben muss, denn ich zeltete im knapp 2600m Höhe, hauptsächlich des paradiesischen Blickes auf den Gran Paradiso wegen.

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Raureif vor…

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…und auf dem Zelt

In der Nacht bemerkte ich, dass es im Zelt auf mein Gesicht schneite; offenbar fror meine Atemluft und fiel als Eispartikel wieder herunter, ziemlich seltsam. Als um 7 Uhr der Wecker klingelte, zeigte mein Thermometer -1 Grad; das war im Zelt direkt neben meinem Kopf, also vermute ich, dass es draußen auch -5 Celsius gewesen sein könnten – worauf auch beispielsweise die Eiszapfen am Bach hindeuteten.

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Eiszapfen am Bach

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Trotzdem: Lieber zelte ich hier oben, als da unten im Blechbüchsenbeet

Allerdings klingt das alles dramatischer, als es war; es gab kein Risiko von Erfrierungen. Ich musste am Körper nicht frieren denn mein Schlafsack (genauer: Quilt) hält wunderbar warm. Nur der Teil des Gesichts, der frei war, hatte es etwas kalt. Und in der Früh schien die Sonne stark und wärmte mich beim Frühstück. Dennoch will ich keine solch kalte Nacht mehr im Zelt verbringen; der Schlaf war nicht ganz so gut wie in wärmeren Gefilden oder einem Bett.

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Das Massiv des Gran Paradiso

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Hochebene Plan de Nivolé

Heute Nachmittag: Endlich Frankreich! Land Nummer 7 (von 8) auf dieser Reise. Als Tagesetappe ging es in der Früh zuerst über das Col de Nivolé (2612m; Straße mit Touristenrummel) nach Süden, dann etwas herunter in ein Tal, das noch zu Italien gehörte, und dann am Nachmittag wieder westwärts hoch bis zur französisch-italienischen Grenze auf das Col du Carro. Mit 3149m ist dieser Grenzübergang einer der Höhepunkte meines Treks.

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Die Wolkenwalze auf der Grenze

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Vermächtnisse einer dunkleren Zeit: Bunker am Col de Nivolé

Obwohl die Markierungen der Wege heute gut waren zeigt sich dennoch bis zuletzt, dass Italien kein wanderfreundliches Land ist, vor allem weil die Orientierung einfach viel schwieriger ist als sonstwo. Der sehr freundliche und engagierte Hüttenwirt der CAI-Hütte an Col du Nivolé, den ich um Auskünfte hinsichtlich des hohen Übergangs nach Frankreich bat, sagte (auf Französisch) ungefähr dies: “Oh, du hast eine italienische Landkarte. Das ist schlecht.“ Ich: “Es war leider die beste, die ich in Aosta finden konnte.“ Er: “Ja, leider ist das so.“ Tatsächlich war der Verlauf des (durchaus anspruchsvollen) Weges hoch zum Col du Carro ganz anders, als eingezeichnet. Ich bin wirklich froh, dass ich ihn nicht bei schlechter Sicht machen musste.

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Schlüsselstelle des Tages: Erst an Drahtseilen über die Felsstufen links unten, dann stets links vom Firn hoch bis zum Col du Carro

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Steinmännchen zur Begrüßung in der République

Indes war der Tag heute kühl und klar; ein kalter Wind wehte ganztägig über die Grenze vom Frankreich herüber und ließ eine eindrucksvolle Wolkenwalze über den Grenzkamm spülen. Der Hüttenwirt in Italien ließ mich den Namen des Phänomens wissen: “il Stau“.

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Blick in die Vanoise

Jetzt bin ich in Frankreich direkt hinter der Grenze, im Refuge du Carro. Eine urige aber angenehm modernisierte Hütte – sogar mit kostenfreier warmer Dusche, was selten und nach der letzten Nacht sehr willkommen ist.

Liberté, égalité, fraternité!
Phil

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