Tag 43 / Capanna Corno Gries-Blitzingen

Dieser regnerische Juli ist nun vorbei; in Teilen der Schweiz war er sogar der regnerischste seit Beginn von Aufzeichnungen. Mal schauen, was der August bringt – zumindest für dieses erste Augustwochenende sieht es allerdings nicht sehr gut aus.

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Capanna Corno Gries (2338m)

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An Griespass: Griessee Griesgletscher und... Berge, deren Namen ich nicht weiß

Aber wenigstens war heute wieder ein Sonnentag zwischendrin – in der Frühe verzogen sich die Wolken und der Sturm von gestern. Von der äußerlich wirklich abgespaceten Capanna Corno Gries aus starte ich über den CornoPass (2485m) in Richtung Wallis; hier verläuft die Wasserscheide zwischen Po und Rhone.

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Brudelhorn (2790m)

Es ist eine Traumtour mit Bergseen, Almwiesen, Gipfeln und großartigen Ausblicken. Der Höhepunkt des Tages: das Brudelhorn, mit 2790m und exponierter Lage ein grandioser Aussichtsberg. Doch am Gipfel etwas Enttäuschung, denn das gesamte Berner Oberland (Aletsch, Jungfrau, Finsteraarhorn) hat sich schon wieder in Wolken gehüllt. Die beste Aussicht bleibt nur auf den Dammastock und Galenstock, zu deren Füßen der Rhonegletscher liegt.

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Blick zurück Richtung Tessin

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Oberwallis, Dammastock (3630m) Rhonegletscher

Dann folgt der Abstieg ins Wallis über saftige Almwiesen und anschließend ein schöner Weg im Tal entlang der Rhone. Hier, irgendwo in der Nähe des Dorfes Blitzingen, stelle ich mein Zelt für die Nacht auf. Zum Schluss noch ein schnelles kaltes Bad im grauen Gletscherwasser der Rhone, und dann gute Nacht!

Über das Solo-Trekking

Vor dieser Reise bin ich noch nie länger als einen Tag alleine wandern gewesen. Für eine Tour von einer Woche käme es mir nie in den Sinn, alleine zu gehen; lieber gemeinsam mit meiner Partnerin, einem Freund, oder einer Gruppe. Aber für drei Monate – mit wem würde ich das machen wollen? Wer würde mitmachen? Bei einer Bergtour von dieser Größenordnung muss wirklich alles passen. Man müsste die selbe Kondition haben, ähnliche Ansprüche, Vorstellungen und Ambitionen; ähnliche Preisvorstellungen (z.B. bei der Nächtigungsfrage); denselben Zeitplan, usw. Und dennoch könnte man sich über Kleinigkeiten zerstreiten.

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Münster im Oberwallis

Ich habe auf meiner Reise einige andere Alleinwanderer getroffen; die meisten waren für ein langes Wochenende oder eine Woche unterwegs. Bei manchen kann ich mir gut vorstellen, warum sie alleine wandern: sie sind kauzige, knurrige Gesellen, oder Individualisten, die keine Kompromisse erdulden wollen. Oder sie suchen für sich die Ruhe und die Freiheit, wie man sie nur alleine finden kann.

Natürlich hat es große Vorteile, nicht alleine unterwegs zu sein. Man hat Geselligkeit, kann manches an Gewicht aufteilen und verteilen, und insbesondere passt man am Berg aufeinander auf. Natürlich habe ich mich (ganz besonders in den wenigen heiklen Situationen, oder im Nebel) manchmal recht alleine gefühlt; auch alleine im Zelt war erst einmal eine Gewöhnungsfrage (es ging aber schnell). Doch solo zu wandern hat auch einige Vorteile. Man ist alleine schneller und flexibler. Man hat viel Ruhe und Zeit zum nachdenken. Man kommt abends in der Hütte leichter mit Anderen ins Gespräch. Vor allem für mich wichtig: Ich bin für niemanden außer mir verantwortlich am Berg. Im Zweifelsfall wäre ich der Erfahrenere, würde die Verantwortung tragen, und würde das als Belastung empfinden.

Besonders ist es für mich eine interessante neue Erfahrung, so lange alleine unterwegs zu sein. Aber so radikal ist es ja keineswegs; ich paddle nicht alleine über den Ozean, durchquere Grönland, oder so. Ich sehe jeden Tag Menschen. Wenn ich mich bei einer Etappe unsicher fühlte, habe ich mit Hüttenwirten abgemacht, dass ich mich rückmelde; sie standen mit also indirekt bei. Dennoch treffe ich momentan jede Entscheidung allein, ohne Berater, und muss mit den Konsequenzen erst mal selber klarkommen. Ich muss mich auf meine eigene Erfahrung und Instinkt verlassen. Das ist als Selbsterfahrung etwas wert.

Wünsche einen schönen August!
Phil

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