Tag 37 / Taminatal-Flims

Ein langer Tag, ein guter Tag. Zwar hat es nachts als ich im Zelt schlief geregnet; aber mein Platz war schön und ruhig, nach der Bachwäsche am Abend fühlte ich mich sauber, und heute schien ab den Morgen die Sonne.

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Der Weiler Oberkunkels, im Taminatal

Bei gutem Wetter lief ich also etwa 40 km (wäre das GPS nicht nachmittags wieder einmal in den Streik getreten wüsste ich es genauer) in 11 Stunden (mit einstündiger Mittagspause). Erst durch das wunderschöne und sehr ursprüngliche Taminatal, dann über den nicht für Autos freigegebenen Kunkelspass (1357m), und hinunter in das Rheintal. Die Wanderung führte durch mehrere malerische schweizer Dörfer; Vättis, Tamins, Trin. Den Kunkelspass möchte ich als den schönsten Pass, den ich bisher überschritten habe, bezeichnen.

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Die Passhöhe des Kunkelspasses

Am Nachmittag folgte ich von der Stelle aus, wo Hinterrhein und Vorderrhein aufeinander treffen, also gewissermaßen wo der Rhein entsteht, dem Vorderrhein nach Westen. Für mich ein interessanter Ort, weil nun seit sechs Jahren der Rhein auf eine Art mein Leben begleitet – fünf Jahre habe ich in Köln gelebt und ihn fast jeden Tag überquert, und jetzt arbeite ich ein paar hundert Kilometer weiter oben in Basel.

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Wo Hinterrhein und Vorderrhein aufeinander treffen; Blick ins Hinterrheintal

Der Vorderrhein kommt hier gerade aus einer dramatischen, mehrere hundert Meter tiefen Schlucht namens Ruinaulta heraus, die er sich durch das Geröll eines riesigen vorzeitlichen Bergsturzes gegraben hat. Leider kann man nicht am Fluss entlang durch die ganze Schlucht wandern; nur mit der Bahn oder auf dem Wasser kommt man durch. Daher blieb ich oben und genoss ein paar Blicke nach unten, bevor ich Richtung Flims abbog. Eine so malerische Landschaft habe ich selten gesehen wie heute. Wahrscheinlich gibt es das nur in der Schweiz!

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Blick in die Ruinaulta

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Tiefe Einblicke

An den Südhängen entlangwandernd habe ich geradezu das Gefühl, zu spüren wie die Sonne aus jedem Grashalm und jedem feuchten Stück Erde die Nässe der letzten Tage hinauszieht. So schwül ist es. Kein Wunder, dass für dem Abend wieder einmal Gewitter angesagt sind. Es ist vom Wetter her schon ein seltsamer Sommer.

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Die umwerfend schöne Umgebung von Flims

Zu guter Letzt lobend zu erwähnen: die Unterkunft des Abends. Das Ferienlager Alte Säge in Flims, von einer Niederländerin und einem Schweizer geführt, ist wie eine Jugendherberge, nur kleiner und familiärer. Für einen einzelnen Wanderer ist es meist nicht leicht, in den Tälern eine günstige Unterkunft zu finden. Hotels sind zu teuer, ein Doppelzimmer einzeln zu belegen, und zwar nur für eine Nacht, wird oft auch in den Frühstückspensionen nicht gern gesehen; ich kann es verstehen. Perfekt hier: Das Ferienlager in Flims, im Mehrbettzimmer. Noch perfekter: wenn man der einzige ist.

Adé miteinand!
Phil

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2 thoughts on “Tag 37 / Taminatal-Flims

  1. Helmut Mader says:

    Original von Peter Arnold aus New York:
    “…. das ist ja tolles Abenteuer. Und nicht ohne Risiken. Hätte ich auch mal gern gemacht – but never had the guts to do it.”

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